In Witten trat Orpheus, der Singende, ans Licht - noch einmal stand er vor der Aufgabe, Eurydike, die Bewegende, aus dem Schattenreich zu befreien.
Mit Hymnen und Liedern aller Art wurde und wird das Ruhrgebiet in seiner "Schwarzen Vergangenheit" besungen. Kohle und Erze, die aus der Finsternis der Erde unter Lebensgefahr geborgen wurden, führten Menschen aller Herkunft zusammen, prägten Gesellschaft und Menschen, machten Industrie und Wohlstand möglich. Die Schächte und Stollen sind heute weitgehend verlassen...
Vom Wohlstand zur Wohlbewegung - dies scheint möglich, wenn die Kultur aus dem Schattenreich befreit und der Blick nicht der ängstlichen Versuchung erliegt zurück zu schauen...
Mit "Orpheus im Schacht" wurde dieses Ringen auf die Bühne gebracht - im Hintergrund die Anlage der Zeche Nachtigall. Ein Werk, welches von Martin Tobiassen für Witten und das Ruhrgebiet geschrieben und für Musikvereinigungen in Witten eigens komponiert wurde.
Spätestens seit dem 20. Jahrhundert ist alles, was in früheren Jahrhunderten eine gewisse Einheitlichkeit zeigte - Gesellschaftsstrukturen, Architektur, Tanz, Musik, Literatur usf. - in viele und sich immer weiter aufsplitternde Bereiche zerfallen. Und nichts Äußerliches gibt noch den Kitt ab, der dies zusammen hielte. Nur wenn wir innerlich in Bewegung kommen und immer neu verbinden, was getrennt erscheint, findet in der Bewegung, in unserer Mitte das Zeitgemäße, das "Moderne" oder "Postmoderne" - das Jetzt! statt.
So sollte Eurydike als Tanzende und Bewegende in die Mitte der Stadt geholt werden. |